ein Freitag ohne Sex
25. April 2009
Es ist Samstag, bekanntlich der Tag nach Freitag. Einem vergleichsweise ruhigem Freitag, über den es sich aber wohl trotzdem zu schreiben lohnt. Überraschender Weise haben kurzfristig alle aus der deutschen Gang, die wir hier inzwischen gebildet haben, das Wochenende frei bekommen. Also wurde schnell klar, dass der Abend nicht so ruhig verlaufen wird, wie von manchen gedacht. Nachdem wir mit unserem kleinen kolumbianischen Freund mit Kindersekt und Absolut-Vodka auf sein Geburtstag angestoßen haben, ging’s dann auch schon um 1 nach Vilamoura, die Bars unsicher machen. Eigentlich hatte ich für die Nacht etwas mehr Zweisamkeit geplant gehabt, aber auf Grund von “bilingualen Schwirigkeiten der Treffpunktbestimmung” ist daraus leider nix geworden. Oder, um das Problem anders zu beschreiben: er spricht nur portugisisch, und ich alles, nur NICHT portugiesisch. Da ist eine Kommunikation, trotz meinem neuen besten elektronischen Freund, dem google-Übersetzer, kompliziert und ein genauer Treffpunkt oder Zeitpunkt für ein Date schwer auszumachen. Naja, das habe ich dann langsam auch eingesehn und bin mit feiern gegangen. Aber es sollte nicht das letzte Mal sein, dass ich auf dieses Problem stoßen sollte…
Wir waren also erst in der einen Bar und haben eine Gruppe Brasilianer (Kurzform “die Brasis”) getroffen, mit denen wir immer wieder was zusammen machen. Da waren wir aber auch schnell wieder weg und sind in RUIs Bar, Hauptanlaufspunkt für angetrunkene Engländer und uns halt. Ich find den Laden eigentlich nur wegen den zwei hübsch anzusehenden Barkeepern interessant, aber das is ja auch ein Grund.
Das tolle ist, dass die Jungs nicht nur gut aussehn (einer funkelde Augen, schicker Body groß, etwa 23, der andere eher der Neandertaler-Macho-Typ aber mit toller Ausstrahlung, um die 30), sie verstehen auch was von ihrem Handwerk. Bestes Beispiel durfen wir gestern wieder erleben. Wir haben uns dem Absinth gewidmet und der jüngere und schnuckligere von den beiden Bar-Männern hat uns den auf eine ganz spezielle Art serviert:
Man nehme ein großes Glas (etwa Kölsch-Größe), tut da die gewünscht Menge Absinth rein, anzünden, Mit der Hand das Glas abdecken und so die Flamme löschen. Die Physiker unter uns wissen natürlich, dass so ein Unterdruck entsteht und das Glas an der Handfläche haften bleibt. Schnuckel schüttelt also das Glas sehr cool und sexy an seiner Hand und nach etwa 10 Sekunden shakern, soll man erst schnell die Alkohol-Dämpfe aus dem Glas saugen. Das ganze übgigens durch seine Hand durch, also man saugt an seiner Hand, was für mich wohl als Einzigen der Beteiligen was erotisches hatte. Wobei, der Barkeepker fands sicher auch toll, sonst hätte er das sicher nicht mit so einer Freude gemacht. Naja, danach muss man natürlich das ganze noch trinken, und wieder an seiner Hand atmen….. naja, Kinderspiel für mich aber die Süd-Ami-Latino-Kinder hatten nach dem ersten Atmen schon schwer zu kämpfen.
Danach gings noch in nen paar andere Bars wo eigentlich immer das gleiche Spiel abging: rein, bestellen, schlucken, raus. “Zahlen” kam allerdings nicht immer in der Reihenfolge vor.
In einer Bar, wurde dann Ro. plötzich sehr hektisch, weil er mir wohl etwas Gutes tun wollte. Er wollte unbedingt das eine Mädel knallen und die hatte zufällig auch nen schwulen Freund. Ro hatte das leider mit dem Schwulsein so verstanden, dass wir alles ficken, was sich ebenfalls als schwul bekennt. Also wurde ich da in etwas reingeschmissen, was ich eigentlich gar nicht wollte. Dazu konnt der Junge leider auch wieder kein Englisch, aber seine Freundin hatte bereitwillig übersetzt. Ein Dialog, der wohl an Kürze und Direktheit (wenn man davon reden kann, wenn man sich per Dolmetscher unterhällt) nicht zu übertreffen ist:
Sie: “Hey, he likes you and he wants to fuck you!”
Ich: “Please tell him in a nice way, that he is not my type and that I don’t wanna get fucked, I want to fuck!”
Sie hatte den ersten Teil meiner Antwort leider einfach mal bei der Übersetzung weggelassen und so lautete ihre bzw. seine Antwort:
“He doesn’t want to get fucked tonight, but here is his number and he will be waiting for you tomorrow at BlackJack”
Nun ja, das wollt ich zwar nun nicht erreichen, aber naja, eine weitere Nummer für den Fall, dass man mal gar nicht weiter weiss.
Mir hat das aber gezeigt, ich hab’s noch nicht so nötig und kann noch ‘Nein’ sagen.
Wir sind also weitergezogen und irgendwann hatte sich unsere Gruppe auch getrennt, so dass ich erst Zuhause gesehn hab, was sich Ro. als “Belohnung” für sein ritterliches Verkuppeln mit nach Hause genommen hat: meine Dolmetscherin, von meinen Mitbewohnerinnen nur “Mrs. Pornstar” genannt. Sie is aber echt lustig, und ich hatte mit ihr echt Spass, besonders als sie mir, als Ro mal wieder am telefonieren war, gesagt hat, dass sie definitif kein Sex mit dem Kind haben wird. Er war aber natürlich noch voller Hoffnung. Hoffnung die ich nicht zerstören wollte und auch konnte, weswegen ich mich mal ganz gentleman-like aus dem Schlafzimmer entfernt habe, um auf dem Balkon erstmal noch nen Glas Absolut zusammen mit nem Joint zu geniessen. Nach etwa 20 Minuten kommt Ro recht aufgelöst zu mir und erzählt mir irgendwas, dass die Süße ihn in den Schwanz gebisssen hat, und jetzt “hat er sie rausgeschmissen”. Ich hab ihn erstmal nur ausgelacht. Vorallem weil sie wahrscheinlich nicht mal sein bestes Stückchen angefasst hat und er sich das nur so ausgedacht hat. Draussen habe ich Mrs. Pornstar noch verabschiedet und das klang dann doch eher nach einem freiwilligen nach Hause gehen.Mrs. Pornstar, die im wahren Leben übrigens Angie heißt, hat ihren Namen übrigens daher, dass sie während ihrem etwa 1-stündigem Aufenthalt in unserem Crib nicht ihre High-Heels ausgezogen hat, weswegen überhaupt die weibliche Hälfte unserer WG aufgewacht ist.
Also wieder kein Sex für Südamerika. Mein letzter Moment der Zweisamkeit liegt jetzt zwar auch schon wieder ‘ne Woche zuück, und der war zwar auch eher ‘befriedigend’ als ‘gut’, aber immerhin es war Sex. Mit einem Brasilianer übrigens. Es scheint fast so, als wären alle Schwulen die hier leben Brasilianer.
Heute Abend geht es dann also ins BlackJack, Geburtstag auf kolumbianisch feiern. Also wir haben 1 Tisch in der VIP-Area reserviert und es wird wohl sehr, sehr viel Alkohol fließen. Aber das wird Thema des nächsten Eintrages werden. Auch, ob ich mich wirklich auf Sex ohne Verstängigung einlassen kann oder vielleicht doch mal Portugiesisch lerne.
Es bleibt spannend….